Tschüss, Adobe!

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Viele Jahre habe ich ein Upgrade von meinem Photoshop CS 5-Extended auf die neue Adobe CreativeCloud verweigert. Zum einen halte ich nichts von Miet-Software, zum anderen sind die Preismodelle von Adobe exorbitant. Die Technik und damit auch die Ansprüche haben sich natürlich mit der Zeit stark erhöht und irgendwann musste auch ich mich mit dem Thema Aktualisierung befassen.

Alternativen?

Ebenbürtige Alternativen sucht man vergebens. Zwischen Programmen deren Umfang 1001 kunterbunte Filter kaum übersteigt, findet man mit viel Glück vielleicht noch einen Rote-Augen-Entferner und einige Malpinsel – das höchste der Gefühle ist der Klonstempel. Ich möchte mich nicht als Profi bezeichnen, aber ich habe Ansprüche und suche hier sprichwörtlich die Nadel im Heuhaufen. Da gibt es als Ausnahme noch Pixelmator, der aber leider nicht alle „Profi“-Funktionen beinhaltet und auch nur für den Mac erhältlich ist. Vielgenannt ist GIMP, das es sogar kostenlos für alle Betriebssysteme gibt. Auch GIMP habe ich einem ausführlichem Test unterzogen. Leider komme ich zu dem Fazit, dass es für meine Ansprüche unbrauchbar ist. Ich fühlte mich hier, als hätte ich ein halb fertiges Programm auf dem Bildschirm, bei dem zwar viele Funktionen geboten werden, diese aber nur unzureichend funktionieren.

Wegen dieser ernüchternden Ergebnisse wollte ich Adobes CreativeCloud doch eine Chance gewähren. In der Foto-Option, die gleichzeitig auch die günstigste ist, kosten Photoshop CC sowie Lightroom CC im untrennbaren Bundle 11,89 EUR/Monat – satte 142,68 EUR im Jahr. Den erweiterten Photoshop gibt es nur noch im Einzelprodukt-Abo für 35,69 EUR/Monat. Ein Glück, dass Adobe die Möglichkeit anbietet, vor dem Kauf die Programme kostenlos testen zu können, denn beinahe hätte ich da einen Fehler gemacht. Photoshop ist ein Profi-Werkzeug und Standard, kein Zweifel, doch viel zu meiner Version getan hat sich nicht. Im Gegenteil, viele bekannte Funktionen konnte ich überhaupt nicht mehr finden, stattdessen habe ich Zugang zu einer Community, Millionen von Stock-Fotografien, Schriftarten und Dingen, die ich überhaupt nicht brauche – aber monatlich bezahlen muss.

Photoshop CC erscheint mir nicht mehr wie ein mächtiges Profi-Bildbearbeitungswerkzeug, sondern wie das Schaufeinster eines Geschäfts für Adobes Cloud-Produkte.

Eine ausführliche Rezension über Photoshop CC möchte ich gar nicht schreiben, davon gibt es genügend im Internet. Gemessen daran ist es (für mich!) nicht nur eine regelrechte Enttäuschung, sondern rechtfertigt keinesfalls ein auf lange Sicht so unverhältnismäßig teures Upgrade. Damit habe ich mich nochmals einige Zeit abgefunden und wollte mich erst wieder mit diesem Thema befassen, wenn mein Photoshop CS 5 eines Tages nicht mehr von meinem Betriebssystem unterstützt wird. Durch Zufall bin ich via Twitter auf den Beitrag des bekannten Portals t3n aufmerksam geworden. Hier wird eine Photo-Suite namens Affinity Photo der Firma Serif Europe Ltd. vorgestellt.

Affinity Photo

Was t3n als „Photoshop-Killer“ bezeichnet, musste ich mir gleich einmal näher ansehen. Neben dem Bildbearbeitungsprogramm gibt es auch noch „Affinity Designer“, „Workbook“ und einiges mehr auf der Webseite affinity.serif.com/de. Für mich interessant ist natürlich Affinity Photo. Es verspricht eine professionelle RAW-Bearbeitung, umfangreiche Farbräume, „fantastische“ Dateikompatibilität mit PSD-Dateien und anderen gängigen Dateiformaten und zu guter Letzt ist das Programm für Mac und Windows erhältlich.

Obwohl ich keine umfangreiche Rezension über Funktionen und Möglichkeiten schreiben möchte, will ich dennoch einige meiner Eindrücke teilen. Positiv aufgefallen ist mir, dass sich das Programm an Photoshop anlehnt und man sich dank vieler bekannte Funktionen gleich wie zu Hause fühlt. Die Kenntnisse aus Photoshop können also bei Affinity Photo weiter angewendet werden und sogar viele gewohnte Tastaturkürzel funktionieren identisch! Die Arbeitsmethodik ist vergleichbar mit Photoshop, Funktionen wie Ebenen, Filter, Freihand-Werkzeug, Kopierstempel usw. sind alle da. Die RAW-Bearbeitung ist direkt On-Board und nicht wie Adobe Camera RAW separat. Smart-Objects sind bisher das einzigste, das ich nicht im Programm finden konnte, für mich allerdings kein Thema.

Bei der PSD-Kompatibilität hat Serif nicht zu viel versprochen, ich habe einige auch „alte“ PSD-Dateien getestet und komme auch hier zu sehr positiven Ergebnissen. Weitere (für mich wichtige) Funktionen wären kurz zusammengefasst: HDR- und Tonemapping, Stitching, 360°-Bildbearbeitung, 32-bit-Bearbeitung, Unterstützung für Photoshop-Plugins, viele nützliche Filterfunktionen, Workflows, Klonstempel, Freihand-Tool, Lasso und Zauberstab, Fleckentferner, Reparatur und Restauration, Stapelverarbeitung, Knoten-Werkzeug, perspektivische Bearbeitungsmöglichkeiten usw. Auch Möglichkeiten zum Teilen per sozialem Netzwerk, E-Mail oder direkt auf Online-Alben liegen vor. Auch noch positiv ist die Performance des Programms, es läuft stabil und schnell. Farbraum- und Tonwertkorrekturen empfand ich als etwas umständlicher als in Photoshop gelöst. Eine vollständige Funktionsliste des Programms kann hier eingesehen werden. Etwas negatives gibt es auch noch, die vielen „fliegenden Fenster“ einzelner Werkzeuge stören mich etwas – vielleicht aber nur Gewöhnungssache.

Affinity Photo kostet für seinen Funktionsumfang schlappe 49,99 EUR und es gibt kein Abo-Modell, worauf der Hersteller ausdrücklich hinweist. Meiner Meinung nach ist es das definitiv wert und für mich nun der endgültige Grund Adobe den Rücken zu kehren.

Affinity Photo ist noch relativ jung, wie dem Entwicklerforum zu entnehmen ist. Wird die ganze Programmkette stetig und mit viel Druck weiterentwickelt. Ob das Programm nun für Profis im Photostudio oder Designbüro geeignet ist , kann ich nicht beurteilen. Es ist jedenfalls bisher das Beste für Mac und Windows, das mir in die Hände gefallen ist. Zu diesem Fazit kommen im Web auch viele Portale, unter anderem testberichte.de. Die durchschnittlichen Nutzerbewertungen liegen bei 4,5 von 5 Sternen. Auch Video-Trainer sowie Bücher zu Affinity Photo sind bereits zu finden. Affinity Photo kann zehn Tage kostenlos getestet werden, hier geht es direkt zum Download.

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