Amazon Alexa im Alltag

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Meinung – Digitale Sprachassistenten haben sich längst in unserem Alltag etabliert. Von Amazon Alexa über Microsoft Cortana, Apples Siri, Google Assistant und Samsung Bixby ist das Produktspektrum inzwischen groß. Doch wo liegt der dauerhafte, praktische Nutzen dieser Geräte und wie unterstützen sie im Alltag? Am Beispiel Alexa, nach rund zwei Jahren Dauereinsatz, möchte ich meine Erfahrung zur Alltagstauglichkeit teilen.

Alexa und Echo, wo liegt eigentlich der Unterschied? Alexa ist Software und Bezeichnung für Amazons künstliche Intelligenz, also eine intelligente Assistentin für die Sprachein- und -ausgabe. Bei Echo handelt es sich um die zugehörige Hardware. Das Produktspektrum reicht dabei von Echo Dot als kleinstes Gerät zur Grundausstattung. Echo ohne Namenszusatz mit großem Lautsprecher und Ausrichtung auf ein besseres Klangerlebnis, Echo Show und Spot jeweils mit integriertem Bildschirm.

Einkaufen mit Alexa

Amazons Absicht mit der Bereitstellung der Echo-Geräte war natürlich die Distribution der eigenen Produktpalette. Alexa sollte also hauptsächlich als sprachgesteuerte Einkaufsassistentin dienen. Für eine zu Beginn so neue Technik, waren auch die Preise der verschiedenen Geräte erstaunlich günstig. Zum Black Friday-Sale oder zu anderen Anlässen sind die Geräte dann nochmals reduziert, womit Amazon logischerweise einen starken Kaufanreiz schafft. Um so interessanter zu erfahren, dass sich die meisten Kunden nicht nach Amazons Wunschvorstellung richten. 74 Prozent verwenden Alexa zur Musikwiedergabe, gefolgt von der Wettervorhersage mit 66 Prozent. Nur 26 Prozent verwenden sie wirklich für Einkäufe.

„Alexa, lege mir Chips in den Einkaufswagen“
„Sicher, ich habe dir ein Angebot über Chips in den Einkaufswagen gelegt. In der Amazon-App kannst du deinen Einkaufwagen überprüfen und zur Kasse gehen“

„Alexa, lege mir eine(!) Cola in den Einkaufswagen“
„Sicher, ich habe dir ein Angebot über Cola in den Einkaufswagen gelegt. In der Amazon-App kannst du deinen Einkaufwagen überprüfen und zur Kasse gehen“

Zum Glück löst Alexa keine Bestellung aus, denn damit finde ich zehn Maxi-Tüten Kartoffelchips einer beliebigen Marke in meinem Einkaufswagen und trotz dem Hinweis auf eine Cola, gleich 24 Dosen. Mit jedem Artikel entgegnet Alexa einen schier unendlichen Antwortsatz. Eine Anfrage mit kombinierten Artikeln in einem Satz („Chips und Cola“), kann Alexa nicht bearbeiten: „Entschuldigung, das weiß ich leider nicht“.

Nicht nur die Redseligkeit, auch die Angebote gehen am Kunden vorbei. Ich kann über einen komplexen Satz nicht spezifizieren, welches Produkt, vielleicht sogar von welcher Marke und besonders in welcher Anzahl ich haben möchte. Nein Amazon, so macht Einkaufen keinen Spaß!

Skills

Viele Hundert sogenannter Skills stehen für Alexa zur Aktivierung bereit. Es handelt sich dabei um Plugins, die Alexas Funktionsumfang erweitern. Diese reichen von Sportergebnissen, dem TV-Programm, der täglichen Bauernregel, lustigen Geräuschen, Radio und Nachrichten über die Wettervorhersage. Natürlich alles sprachgesteuert.

Beim dritten Skill ist Schluss

Einen dritten Skill kann ich mir gerade noch so merken. Alle weiteren setzen voraus, dass eine Liste geführt wird oder jedes Mal vor der Aktivierung in der App die Namen der Programme gesucht und aufgesagt werden müssen. Die gefühlte Mehrheit sind Geräusche-Skills. Meeresrauschen, Waldgeräusche, Vogelgezwitscher, ein plätschernder Bach, Regen, Gewitter und Sturm – ganz ehrlich, wer benötigt hunderte Einschlafgeräusche? Mit den sogenannten lustigen Geräuschen, unter denen sich dutzende „Pups-Generatoren“ befinden, möchte ich gar nicht erst anfangen.

Flash Briefing

Flash Briefing, sozusagen eine Funktion, die wie Push-Mitteilungen funktionieren soll. Das kann bisher nur der Skill eines bekannten, deutschen Nachrichtenverlags. Trotzdem dieser nun aber seit Monaten aktiviert ist, funktioniert er nicht. Ein Versuch mit US-amerikanischen Nachrichtenmagazinen schlug fehl, da diese nicht im deutschen Store zur Verfügung stehen.

Schnell fällt auf, neue Skills kommen nur sehr selten, alte Skills werden von ihren Herstellern bis auf Ausnahmen nicht mehr aktualisiert.

„Das weiß ich leider nicht“

Grundsätzlich kann und soll Alexa Fragen beantworten, dazu greift sie auf Microsofts Suchmaschine Bing zurück. Was aus Sicht des Anwenders eine Frage darstellt, ist oft aber für die künstliche Intelligenz meist zu komplex und daher eher als simpler Befehl zu betrachten. Dafür einige Beispiele:

„Alexa, warum leuchtest du grün?“
„Das weiß ich leider nicht. Falls du Hilfe benötigst, gehe zum Hilfe- und Feedback-Abschnitt der Alexa-App“

„Alexa, warum leuchtet dein Ring grün?“
„Für Hilfe zu dieser Frage, gehen Sie zum Hilfe- und Feedback-Abschnitt der Alexa-App“

Zum Schluss war sie wohl etwas sauer, nun sind wir per Sie. Einige Zeit später habe ich dann per Zufall über die App erfahren, der grüne Ring weist darauf hin, dass eine Sprachnachricht vorliegt. Was also den Bedienkomfort angeht und gerade weil es sich um eine Funktion des Geräts selbst handelt, stellt mich das System nicht zufrieden.

„Alexa, wann ist in <Stadt> die nächste Veranstaltung?“
„In <Stadt> beträgt die Temperatur 7° C bei leichten Regenschauern“

„Alexa, wer waren die Gewinner bei den diesjährigen Oscar-Verleihungen?
„Der diesjährige Gewinner für den besten Film war Green Book“

Beide Antworten sind nicht zufriedenstellend. Schwierig wird es auch bei Musik. Die bekanntesten Interpreten kennt Alexa ohne weiteres, geht es aber um weniger bekannte Künstler oder solche mit Eigennamen, zeigt sich das System am Ende.

Das bedeuten Alexas Farben

  • Blau und zyan: Alexa hört zu. Zyan zeigt dabei die Richtung an, aus der die Spracheingabe kommt.
  • Abwechselnd blau und zyan: Eine Anfrage wird verarbeitet.
  • Drehend blau und zyan: Alexa wird gestartet.
  • Drehend orange: Eine WLAN-Verbindung wird hergestellt.
  • Pulsierend lila: WLAN-Fehler.
  • Blinkend lila: „Nicht stören“-Funktion aktiv.
  • Konstant rot: Mikrofon ausgeschaltet.
  • Pulsierend grün: Eingehender Anruf.
  • Blinkend grün: Verpasster Anruf.
  • Pulsierend hellgrün: Eine Nachricht wurde empfangen.
  • Weiß: Lautstärkeneinstellung.

Persönliches Fazit

Ich habe zugegeben viel erwartet, im Alltag dient mir Alexa aber nicht als persönliche Assistentin, sondern hauptsächlich als Wecker und zur Steuerung meiner Funksteckdosen. Alles andere empfinde ich als nebensächliche Spielerei. Leider zeigt sie sich auch immer wieder als zu redselig. Lange Bestätigungs-Texte, Ansagen und Erklärungen sollten erheblich gekürzt werden. Dabei existiert längst eine Funktion, die die Sprachausgabe verkürzen soll. Im Grunde denke ich sogar, es braucht gar kein Echo-Gerät, Alexa als App wie auf den Fire-Tablets, hätte es auch getan.

Preisvergleiche? Hinweis-Mitteilungen?  Das wären Funktionen, denen ich höheren Nutzen zuschreiben würde. Leider beherrscht Alexa keine davon.

Auch Googles Sprachassistent auf dem Smartphone, Siri auf meinem iPad und Cortana in Windows benutze ich nicht. Zugegeben, die Weckfunktion ist wirklich praktisch und ich möchte sie nicht mehr missen, segnet mein Echo allerdings irgendwann das Zeitliche, werde ich ihn wahrscheinlich nicht ersetzen.

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